Oh, mein laktierender Schäbi-chic Baum!
Foto:Kazuo Yamasaki
Antananarivo stinkt und ist staubig. Wenn der Wind den Rauch der vielen Buschfeuer mitten in die Stadt trägt, klagen selbst alteingesessene Madagassen über Atembeschwerden. Die klapprigen Renault-Taxis in den Strassen liefern sich halsbrecherische Hetzjadgen und “Vortritt für Fussgänger” lässt sich nicht auf Malagasy übersetzen. Zebrastreifen sind nichts als Launen im willkürlichen Stadtdesign. Im Trottoir klaffen 2m tiefe Löcher und sollte ich je unvorsichtigerweise in so eins hineinstolpern und mir nicht das Genick brechen, so werde ich mir tausend Krankheiten einfangen. Der Eingang zur Hölle ist nämlich bis zur Hälfte mit Cholerabrühe gefüllt.
Ja, Tanas Charme eröffnet sich selbst dem weltoffensten Vazaha* erst auf den zweiten Blick. Ausser der Vazaha kommt Ende Oktober. Dann ist alles anders.
Unverrückbar steht er da. Die Farbe trotzt jeder Beschreibung, man muss sie sehen, fühlen, aufessen. Der Jacaranda-Baum - so melodisch der Name, so unvergleichlich seine Wirkung. Wo er steht, wird die Armut zur Einfachheit, der Bettler zum alten Weisen und die Rostbeule zum Oldtimer. Der ewige Stau ist bestenfalls noch stockender Kolonnenverkehr. Mädchen kichern, sie kreischen nicht, und herrlich kontrastreich wirkt die abgewetzte Schuluniform. Wo der Jacaranda seine Blüten verteilt, ist die Welt besser. Dankbar ergreift der verlorene Spaziergänger die violette Brille, setzt sie auf und atmet durch. Und selbst als ihm triefender Nektar die Haare verklebt, bleibt nicht mehr als ein süsser Geruch zurück.
Die Jacaranda-Bäume in Antananarivo waren schon würdige alte Damen, als noch Kolonialherren im Land das Sagen hatten und als Madagaskar 1960 die Unabhängigkeit erlangt hatte, hielten sie nur kurz den Atem an. Diese Erhabenheit lässt niemanden kalt. Klein und wurmig fühlt man sich und dankbar für soviel unerwarteten Schäbi-Chic.
* Vazaha= Malagasy für Fremder
Fotos: Vita sary, madainfo.de, outback-africa.deDie Jacaranda stellen eine Gattung innerhalb der Familie der Trompetenbaumgewächse (Bignoniaceae) dar. Jacaranda-Bäume sind 2-30 Meter hoch. Die Gattung besteht aus etwa 50 Arten. Es handelt sich um mittelgroße bis große, sommer- oder immergrüne Bäume. Jacaranda-Bäume haben doppelt gefiederte Blätter und glockenförmige, überwiegend purpur- bis malvenfarbige Blüten. Unter Jacarandas gibt es auch einige Arten, die weiße Blüten haben, sie sind jedoch seltener. Das Holz spielt nur bedingt eine Rolle. Nur einige Arten werden gezielt als Nutzpflanze angebaut. Das Holz dieser Bäume ist wertvoll und reich gemustert. Der wichtigste wirtschaftlich genutzte Baum ist J. filicifolia. Das bei uns unter dem Namen Palisander bekannte Holz stammt nur zum geringsten Teil von J. mimosifolia, vielmehr in der Regel von der Hülsenfrüchtler-Gattung Dalbergia. Das Holz der anderen Arten ist zu weich, um als Nutzholz zu dienen. Ihre auffällige Blütenpracht, die etwa zwei Wochen anhält, hat dazu geführt, dass sie in vielen klimatisch geeigneten Regionen als Zierpflanzen angebaut werden.
Quelle: Wikipedia.org







